Fachbeitrag 21.05.2026
Die wichtigsten Einheiten und Kennzahlen für energieeffiziente Beleuchtung

Warum sich der Blick auf Lumen, Lux und Co. lohnt
Wer eine Beleuchtung plant, saniert oder einfach nur eine neue Leuchte einkauft, stösst rasch auf eine Reihe von Begriffen: Lumen, Lux, Candela, Kelvin, Ra, lm/W. Die Vielfalt verwirrt – dabei sind es genau diese Kennzahlen, mit denen sich Lichtqualität, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit objektiv vergleichen lassen. Für Facility Manager und Unternehmen ist das Verständnis dieser Einheiten die Grundlage jeder fundierten Investitionsentscheidung.
Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Einheiten und Kennzahlen, die für die Bewertung moderner Beleuchtung relevant sind, und zeigt, wie Sie diese in der Praxis nutzen.
Die vier lichttechnischen Grundbegriffe
Vier Grössen bilden das Fundament der Lichttechnik. Sie betreffen das Licht selbst, die beleuchtete Fläche und das menschliche Sehen.

Licht, Lichtstärke, Beleuchtung und Leuchtdichte – die vier Grundbegriffe der Lichttechnik.
Lichtstrom (Lumen, lm)
Der Lichtstrom beschreibt die gesamte Lichtmenge, die eine Lichtquelle in alle Richtungen abgibt. Die Einheit ist Lumen (lm). Sie ist auf jeder Lampenverpackung zu finden und damit die wichtigste Vergleichsgrösse beim Einkauf. Eine herkömmliche 60-Watt-Glühlampe gibt rund 710 lm ab, eine moderne LED-Retrofit-Röhre mit 22,5 Watt erreicht dagegen 3600 lm.
Die Lumenzahl ist eine über die Empfindlichkeit des menschlichen Auges gewichtete Grösse (V-Lambda-Kurve). Grünes und gelbes Licht wird stärker gewichtet als rotes oder blaues, weil unser Auge in diesem Bereich am empfindlichsten ist.
Lichtstärke (Candela, cd)
Die
Lichtstärke gibt die Intensität des Lichts in eine bestimmte Richtung an, gemessen in Candela (cd). Eine einzelne Kerze entspricht etwa 1 cd. Bei Spotlampen wird oft die Candela-Zahl in der Hauptausstrahlrichtung angegeben. Diese Angabe allein sagt jedoch wenig über Lichtmenge oder Effizienz aus, weil zwei Spots mit identischen Lichtstärken bei unterschiedlichem Abstrahlwinkel ganz verschiedene Lichtkegel erzeugen können. Verlangen Sie deshalb auch bei Spots immer die Lumenangabe.
Beleuchtungsstärke (Lux, lx)
Die Beleuchtungsstärke misst, wie viel Lichtstrom auf einer Fläche ankommt. Sie wird in Lux (lx) angegeben und lässt sich mit einem einfachen Luxmeter direkt am Arbeitsplatz messen. Die Anforderungen variieren stark nach Sehaufgabe:
- 100 lx genügen in einem Korridor
- 500 lx werden für Bildschirmarbeit im Büro empfohlen
- 5000 lx und mehr braucht ein Operationstisch
Zum Vergleich: Ein wolkenloser Sommertag bringt es auf 100 000 Lux, eine Vollmondnacht im Winter auf etwa 1 Lux.
Leuchtdichte (cd/m²)
Die
Leuchtdichte
beschreibt die wahrgenommene
Helligkeit einer leuchtenden Fläche aus Sicht des Betrachters. Sie ist ein Mass für die Blendwirkung einer Lichtquelle. An Bildschirmarbeitsplätzen sollte die Leuchtdichte einer Arbeitsplatzleuchte 1000 cd/m² nicht überschreiten, damit konzentriertes Arbeiten möglich bleibt.
Lichtausbeute (lm/W): Das Mass für Effizienz
Die
Lichtausbeute verbindet
Lichtleistung und
Stromverbrauch. Sie wird in Lumen pro Watt (lm/W) angegeben und ist die zentrale Kenngrösse für die Energieeffizienz eines Leuchtmittels. Je höher der Wert, desto effizienter die Lampe.
| Lichtquelle | Leistung (W) | Lichtstrom (lm) | Lichtausbeute (lm/W) |
|---|---|---|---|
| Glühlampe 230 V | 60 | 710 | 12 |
| Eco-Halogenglühlampe | 42 | 630 | 15 |
| Sparlampe | 11 | 640 | 58 |
| LED-Fadenlampe | 6 | 810 | 135 |
| LED-Retrofit-Röhre | 22,5 | 3600 | 160 |
Quelle: Stefan Gasser / Daniel Tschudy, «Licht im Haus», 2019.
Die Tabelle zeigt eindrücklich: Eine moderne LED erreicht mehr als das Zehnfache der Effizienz einer klassischen Glühlampe. Genau dieser Sprung macht die Sanierung bestehender Anlagen wirtschaftlich attraktiv.
Lichtfarbe und Farbtemperatur (Kelvin)
Die Farbtemperatur beschreibt den «Weisseton» einer Lichtquelle und wird in Kelvin (K) angegeben. Drei Bereiche haben sich in der Praxis etabliert:
- Warmweiss (unter 3300 K): gemütlich, rötlich; entspricht etwa dem Licht einer Glühlampe (2700 K).
- Neutralweiss (3300 bis 5300 K): sachlich, klar; in Büros und öffentlichen Gebäuden oft mit 4000 K eingesetzt.
- Tageslichtweiss (über 5300 K): kühl, fördert die Wachheit; orientiert sich am Sonnenlicht (rund 6500 K).
Welche Farbtemperatur «besser» ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. 3000 K wirkt wohnlich und passt gut in Empfangs- oder Aufenthaltsbereiche. 4000 K ist die typische Wahl für Bürozonen und Werkstätten, weil neutrales Licht die Konzentration unterstützt. Die Farbtemperatur sagt allerdings nichts über die Lichtqualität oder die Farbwiedergabe aus – das sind zwei eigenständige Kennzahlen.

Warmweiss (2700 K) und Tageslichtweiss (6500 K) im direkten Vergleich.
Farbspektrum
Das Farbspektrum zeigt, wie sich das Licht einer Quelle über die Wellenlängen verteilt. Die Unterschiede zwischen den Lichtquellen sind erheblich:
- Tageslicht hat ein lückenloses Spektrum mit dominantem Blauanteil.
- Glühlampenlicht ist ebenfalls lückenlos, aber rotdominant.
- Sparlampen und Leuchtstofflampen weisen Lücken auf; einzelne Zwischentöne fehlen ganz.
- LED-Lampen erreichen ein nahezu vollständiges Spektrum mit einem typischen «Loch» zwischen Blau und Grün.
Je vollständiger das Spektrum, desto natürlicher wirken Farben unter dieser Lichtquelle. Bei LED-Produkten ist die Qualität dieses Spektrums ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zwischen günstigen und hochwertigen Lampen.
Farbwiedergabeindex (Ra / CRI)
Der Farbwiedergabeindex (Ra oder CRI für Color Rendering Index) drückt das Farbspektrum als einzelne Kennzahl aus. Bewertet werden acht ungesättigte Testfarben nach DIN 6169, ergänzt um vier gesättigte Farbtöne sowie einen Hautton und Blattgrün. Der Maximalwert beträgt 100 (Tageslicht oder Glühlampe):
- Ra über 80: gute Farbwiedergabe, Mindestanforderung in Innenräumen mit ständigen Arbeitsplätzen nach SN EN 12464-1.
- Ra über 90: sehr gute Farbwiedergabe, empfohlen für Verkaufsräume, Museen und farbkritische Tätigkeiten.
Bei
LED Lampen lohnt sich ein zusätzlicher Blick auf den Wert R9 (gesättigtes Rot). Er verrät, wie naturgetreu Hauttöne und warme Farben dargestellt werden – ein Aspekt, den der Mittelwert Ra allein nicht abbildet.
Das EU-Energielabel für Lichtquellen
Seit dem 1. September 2021 gilt EU-weit – und damit auch in der Schweiz – das überarbeitete EU-Energielabel für Lichtquellen. Es ersetzt die alten Plus-Klassen wie A+ oder A++ durch eine klar abgestufte Skala von A (beste Energieeffizienzklasse) bis G (schlechteste). Das Label zeigt zusätzlich den Stromverbrauch pro 1000 Betriebsstunden in kWh.
Die Berechnung der Energieeffizienzklasse erfolgt über die Gesamt-Lichtausbeute. Diese ergibt sich aus dem Nutzlichtstrom geteilt durch die Leistungsaufnahme, multipliziert mit dem Total-Mains-Faktor ηTM. Dieser Faktor berücksichtigt unter anderem die Verluste im Betriebsgerät.
Die neue Skala ist deutlich strenger als die alte: Viele LED-Produkte, die früher als A++ klassifiziert waren, fallen heute in die Klassen D bis F. Das ist kein Qualitätsverlust, sondern ein neuer Massstab, der echten Spielraum für künftige Innovationen lässt.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wer eine effiziente und angenehme Beleuchtung sucht, prüft folgende Werte gemeinsam:
- Lichtstrom (Lumen) hoch genug für die Aufgabe – Faustregel: 60-W-Glühlampe entspricht rund 800 lm.
- Lichtausbeute (lm/W) so hoch wie möglich.
- Energieeffizienzklasse (A bis G) im Vergleich der Produkte.
- Farbwiedergabeindex Ra mindestens 80, für anspruchsvolle Anwendungen 90 oder höher.
- Farbtemperatur passend zur Nutzung – warmweiss zum Wohnen, neutralweiss für die Arbeit.
- Lebensdauer und Garantie der Leuchten.
Diese Kennzahlen finden Sie auf der Verpackung, im Datenblatt oder in der EU-Produktdatenbank EPREL.
Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten
In der Schweiz regelt die Norm SIA 387/4 die energetischen Anforderungen an Beleuchtungsanlagen in Gebäuden. Sie definiert Grenz- und Zielwerte für den jährlichen Energiebedarf pro Quadratmeter Nutzfläche. Wer diese Werte deutlich unterschreitet, profitiert nicht nur von tieferen Stromkosten, sondern kann auch Fördergelder beantragen.
Über das Programm Lightbank unterstützt das Bundesamt für Energie die Sanierung von Beleuchtungsanlagen mit Beiträgen von bis zu 30 Prozent der Investitionskosten. Der Fördergeldrechner zeigt unverbindlich, wie hoch der mögliche Beitrag für Ihr Projekt ausfällt.
Wer die wichtigsten Einheiten und Kennzahlen versteht, kann Beleuchtungsprodukte gezielt vergleichen, Investitionen wirtschaftlich planen und die Vorteile von Förderprogrammen voll ausschöpfen.





